Zahlen richtig lesen
Welche Kennzahlen es gibt und was sie bedeuten. Und woran Sie erkennen, ob etwas funktioniert hat.
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Welche Zahlen habe ich überhaupt?
Vier Gruppen, und alle vier lassen sich belegen:
- Bestand. Wie viele Kontakte, wie verteilt auf Kategorien, wie viele mit Mailadresse.
- Versand. Was hinausging, was angenommen wurde, was zurückkam.
- Rückläufer. Harte (Adresse gibt es nicht) und weiche (Postfach voll, vorübergehend).
- Antworten. Was im Posteingang ankam und welchem Kontakt es zugeordnet wurde.
Was Sie nicht haben: Öffnungsraten und Klickraten. Das ist Absicht — dazu gibt es eine eigene Antwort.
Die nützlichste Zahl von allen steht nicht im System: wie viele Aufträge daraus wurden. Die müssen Sie selbst zuordnen, und genau dafür gibt es Notizen am Kontakt.
Warum misst Aurora keine Öffnungen?
Aus zwei Gründen, und beide sind gute:
Datenschutz. Eine Öffnungsmessung funktioniert über ein unsichtbares Bild, das beim Anzeigen der Mail von Ihrem Server geholt wird. Damit erfahren Sie, wann jemand die Mail geöffnet hat und ungefähr wo er war — ohne dass er das weiß. Das ist eine Verarbeitung, die eine Einwilligung braucht.
Die Zahl taugt nichts mehr. Mailanbieter laden Bilder inzwischen vorab auf ihren eigenen Servern. Eine „Öffnung“ heißt dann nur, dass ein Rechenzentrum das Bild geholt hat — nicht, dass ein Mensch die Mail gesehen hat.
Was stattdessen zählt: Antworten. Eine Antwort ist ein eindeutiges Signal, eine Öffnung ist eine Vermutung.
Wer trotzdem eine Vergleichsgröße braucht, nimmt die Zustellquote und die Antwortquote — beide sind hart.
Was sagt mir die Zustellquote?
Wie viele Ihrer Mails vom Empfangsserver angenommen wurden. Das ist nicht dasselbe wie „im Posteingang gelandet“ — eine angenommene Mail kann trotzdem im Spam-Ordner liegen.
Als Anhaltspunkt:
- Über 97 % angenommen: normal.
- 90 bis 97 %: die Liste ist veraltet, es sind tote Adressen dabei.
- Unter 90 %: ein Problem. Entweder ist die Liste schlecht, oder Ihre Absenderadresse hat einen schlechten Ruf.
Was Sie tun, wenn die Quote fällt:
- Rückläufer ansehen — was für Fehler genau?
- Harte Rückläufer aussortieren. Sie schaden bei jedem weiteren Versand.
- Zustellbarkeit prüfen — SPF, DKIM, DMARC.
Eine sinkende Zustellquote ist immer ein Frühwarnzeichen. Sie fällt, bevor Sie merken, dass niemand mehr antwortet.
Was ist der Unterschied zwischen harten und weichen Rückläufern?
- Hart: Die Adresse gibt es nicht. Der Empfangsserver sagt eindeutig nein. Ursachen: Tippfehler, Person hat den Betrieb verlassen, Domain existiert nicht mehr.
- Weich: Vorübergehendes Hindernis. Postfach voll, Server nicht erreichbar, Nachricht zu groß.
Was Sie damit machen:
- Harte Rückläufer sofort aussortieren. Jeder weitere Versuch schadet Ihrem Absenderruf. Mailanbieter werten wiederholte Zustellungen an nicht existierende Adressen als Zeichen für eine gekaufte Liste.
- Weiche beobachten. Ein einzelner ist unbedeutend. Dieselbe Adresse dreimal hintereinander weich: aussortieren.
Ein hoher Anteil harter Rückläufer beim ersten Versand einer Liste sagt Ihnen etwas über die Liste — und zwar sofort und ohne dass Sie sie durchsehen müssen.
Welche Antwortquote ist normal?
Das hängt stark davon ab, wie kalt der Kontakt ist:
- Kalte Erstansprache: ein bis fünf Prozent. Alles darüber ist gut.
- Warme Kontakte (haben schon einmal mit Ihnen zu tun gehabt): zehn bis dreißig Prozent.
- Bestandskunden: deutlich mehr.
Wichtiger als der Vergleich mit fremden Zahlen ist der Vergleich mit sich selbst: Wie war es beim letzten Mal, mit derselben Art von Empfängern?
Und zählen Sie Absagen mit. Zehn Absagen sind ein besseres Ergebnis als null Antworten: Sie zeigen, dass die Mail gelesen und verstanden wurde. Wer null Antworten bekommt, hat entweder ein Zustellungsproblem oder einen Text, den niemand zu Ende liest.
Bei kleinen Kampagnen — unter fünfzig Empfängern — rechnen Sie nicht in Prozent. Zählen Sie.
Woran messe ich, ob sich der Aufwand lohnt?
An Aufträgen, nicht an Mails. Alles dazwischen ist Zwischenstand.
Die Kette, die Sie im Blick behalten sollten:
- Verschickt →
- angenommen →
- beantwortet →
- Gespräch →
- Angebot →
- Auftrag.
Jeder Schritt hat seine eigene Ursache, wenn er hakt:
- 1 → 2 schlecht: Liste oder Zustellbarkeit.
- 2 → 3 schlecht: Betreff, Text, Zielgruppe.
- 3 → 4 schlecht: Die Schlussfrage war zu groß, oder Sie melden sich zu spät.
- 4 → 5 und 5 → 6: Das ist Ihr Vertrieb, nicht das System.
Aurora misst die ersten drei Schritte selbst. Die übrigen halten Sie als Notiz am Kontakt fest, und genau deshalb ist die Notiz nach dem Gespräch die wichtigste Gewohnheit.
Wie vergleiche ich zwei Kampagnen sinnvoll?
Mit drei Regeln, sonst vergleichen Sie Zufall:
- Eine Sache ändern. Betreff oder Text oder Zielgruppe. Wenn Sie alle drei ändern, wissen Sie hinterher nichts.
- Genug Empfänger je Fassung. Unter hundert ist jeder Unterschied Rauschen.
- Gleiche Bedingungen. Nicht eine Kampagne im Juli und die andere im Oktober; nicht eine an Bestandskunden und die andere an Fremde.
Was Sie vergleichen: Antwortquote, nicht Zustellquote — die hängt an der Liste, nicht am Text.
Und halten Sie fest, was Sie geändert haben. Ein Vergleich, dessen Grundlage nach vier Wochen niemand mehr weiß, ist verlorene Arbeit. Zwei Zeilen in der Kampagnenbeschreibung reichen.
Welchen Zeitraum soll ich betrachten?
Länger, als es sich anfühlt. Die üblichen Fehler:
- Zu kurz. Eine Kampagne am Montag ausgewertet, die noch bis Freitag läuft.
- Zu spät gemessen. Antworten kommen über Wochen, nicht über Tage — bei Geschäftskontakten oft erst nach dem Urlaub.
- Unpassende Vergleichszeiträume. Dezember gegen Oktober zu vergleichen sagt mehr über den Dezember als über Ihre Arbeit.
Als Anhaltspunkt:
- Zustellung und Rückläufer: nach 24 Stunden aussagekräftig.
- Antworten: nach zwei bis drei Wochen.
- Aufträge: je nach Geschäft Wochen bis Monate.
Und beachten Sie den Zeitraumfilter der Übersicht: Er wirkt auf fast alles, was darunter steht. Eine Zahl, die falsch aussieht, ist meistens eine Zahl aus dem falschen Zeitraum.
Was sagt mir die Struktur meines Bestands?
Mehr, als die meisten hineinsehen. Drei Fragen, die sich lohnen:
- Wie viele Kontakte haben eine Mailadresse? Das ist die Größe, mit der Sie tatsächlich arbeiten können. Ein Bestand von 4.000 mit 900 Adressen ist ein Bestand von 900.
- Wie verteilen sich die Kategorien? Wenn 80 % in „Sonstige“ liegen, sind die Kategorien nicht gepflegt, und dann taugt keine Zielgruppenauswahl.
- Wie alt ist der letzte Kontakt? Adressen ohne Kontakt seit drei Jahren sind mit hoher Wahrscheinlichkeit tot.
Das ist die Auswertung, die vor jeder Kampagne steht. Wer sie einmal im Jahr macht, spart sich die Überraschung, dass eine Kampagne nur 200 statt 2.000 Empfänger findet.
Wie lese ich die Übersicht richtig?
Von oben nach unten, und mit einem Blick auf den Zeitraum:
- Die drei Punkte — Betrieb, Lizenz, Postfach. Wenn einer nicht grün ist, hat alles darunter einen Vorbehalt.
- Der Zeitraum. Er wirkt auf fast alles darunter. Nicht auf die persönlichen Abschnitte („heute“) und nicht auf Zustandsangaben.
- Was heute ansteht — Ihre Wiedervorlagen, Aufgaben, Termine. Persönlich, nicht die des Teams.
- Zustellung — was hinausging und was zurückkam.
- Verbrauch — was KI und Suchdienste diesen Monat gekostet haben.
Neben jeder Zahl steht ein ⓘ, das sagt, was genau gezählt wurde. Nutzen Sie es beim ersten Mal: Zwei Zahlen, die ähnlich heißen, zählen selten dasselbe.
Eine Zahl sieht falsch aus. Woran liegt das?
In dieser Reihenfolge:
- Zeitraum. Der häufigste Grund mit Abstand. Prüfen Sie, welcher eingestellt ist.
- Filter. Eine Liste mit gesetztem Filter zeigt eine andere Zahl als der Gesamtbestand — beide sind richtig, sie zählen nur Verschiedenes.
- Was genau wird gezählt? „Angeschrieben“ ist nicht „zugestellt“ ist nicht „beantwortet“. Das ⓘ neben der Zahl sagt es.
- Sichtbarkeit. Was Ihre Rolle nicht sehen darf, wird auch nicht mitgezählt.
- Zeitverzug. Manche Zahlen entstehen im Hintergrund und sind ein paar Minuten alt.
Wenn danach immer noch etwas nicht stimmt: melden — mit der Angabe, welche Zahl, welcher Zeitraum, welcher Wert erwartet wurde. Das ist auffindbar; „die Zahlen stimmen nicht“ nicht.
Wie lese ich den KI- und Suchverbrauch?
Er zeigt, was die kostenpflichtigen Dienste in diesem Monat verbraucht haben — getrennt nach Art: KI-Auswertung, Suchdienst, Websuche.
Was Sie damit tun sollten:
- Ein Budget setzen. Ohne Grenze läuft ein Verbrauch weiter, auch wenn jemand versehentlich zwanzig Suchen startet.
- Ausreißer prüfen. Ein plötzlicher Anstieg hat immer eine Ursache — meist einen Lauf, den jemand mehrfach gestartet hat.
- Ins Verhältnis setzen. Was hat der Verbrauch gebracht? Zehn Euro für einen Auftrag sind billig, hundert Euro für null Treffer sind teuer.
Und das Grundsätzliche: Diese Dienste kosten pro Anfrage. Wer die Kosten klein halten will, sucht gezielter, nicht seltener — weniger Begriffe, engerer Ort, kleinere Menge.
Wofür sind die Berichte gut?
Für das, was Sie jemand anderem zeigen: einem Auftraggeber, einer Geschäftsführung, einem Vorstand.
Der Unterschied zur Übersicht: Die Übersicht ist Ihr Arbeitsblatt und ändert sich ständig. Ein Bericht ist ein festgehaltener Stand für einen Zeitraum, als PDF, mit Ihrem Absender.
Was das im Alltag spart: die monatliche halbe Stunde, in der jemand Zahlen aus dem System in eine Tabelle abschreibt.
Worauf Sie achten sollten:
- Vor dem ersten Versand die Absenderangaben prüfen.
- Den Zeitraum bewusst wählen und beibehalten. Berichte, die mal einen Monat und mal sechs Wochen umfassen, sind nicht vergleichbar.
- Vorher ansehen. Ein Bericht geht an einen Kunden — er sollte einmal gelesen worden sein.
Was sollte ich bewusst nicht messen?
Alles, was Menschen bewertet statt Vorgänge:
- Wer wie viele Notizen schreibt. Führt dazu, dass Notizen geschrieben werden, um gezählt zu werden — und die sind wertlos.
- Wer wie schnell antwortet. Führt zu schnellen, schlechten Antworten.
- Anrufe je Tag. Die klassische Kennzahl, die zu vielen kurzen und wenigen guten Gesprächen führt.
Der Grund ist nicht Zurückhaltung, sondern Wirksamkeit: Jede Kennzahl, an der jemand gemessen wird, wird optimiert — auch dann, wenn das dem eigentlichen Ziel schadet.
Und rechtlich: Eine Auswertung nach Personen ist bei bestehendem Betriebsrat mitbestimmungspflichtig. Wer das Zugriffsprotokoll zur Leistungskontrolle nutzt, braucht eine Betriebsvereinbarung.
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