Datenpflege als Routine
Was täglich, was im Quartal und was einmal im Jahr zu tun ist. Und woran man merkt, dass ein Bestand kippt.
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Warum ist Datenpflege so wichtig?
Weil an ihr alles hängt, was ein CRM überhaupt kann.
Konkret:
- Eine Kampagne ist nur so gut wie die Auswahl. Sind die Kategorien nicht gepflegt, trifft sie die Falschen.
- Eine Auswertung ist nur so gut wie der Bestand. Zahlen aus einem unaufgeräumten Bestand glaubt niemand — zu Recht.
- Eine Auskunft ist nur so gut wie die Herkunftsangabe. Wer nicht weiß, woher ein Kontakt stammt, kann weder auskunftsfähig sein noch begründen, warum er ihn anschreibt.
Wichtig ist der Punkt, der am meisten wiegt: Ein Bestand, dem niemand traut, wird nicht mehr benutzt. Dann arbeiten alle wieder mit eigenen Listen, und die Einführung war umsonst.
Das ist kein Ordnungsthema, sondern die Existenzgrundlage des Systems.
Was gehört in die tägliche Routine?
Drei Handgriffe, je Vorgang etwa eine Minute:
- Neuen Kontakt sofort anlegen. Nicht sammeln, nicht auf einen Zettel, nicht „später eintragen“. Später ist nie.
- Notiz nach dem Gespräch. Zwei Sätze, solange Sie noch den Hörer in der Hand haben.
- Wiedervorlage setzen, wenn etwas offen bleibt.
Dazu kommt eine Gewohnheit, die nichts kostet: Beim Öffnen einer Akte kurz prüfen, ob die Angaben stimmen. Falsche Telefonnummer, veralteter Ansprechpartner, neue Firmierung — das fällt genau dann auf, wenn man ohnehin hinsieht.
Wer diese vier Dinge tut, braucht die Quartalspflege nur noch für Feinarbeit. Wer sie nicht tut, holt es nie auf.
Was mache ich im Quartal?
Eine Stunde, immer dieselben fünf Schritte:
- Dubletten suchen und zusammenführen. Sie entstehen bei jedem Import und bei jedem Kontakt, der von einer neuen Adresse schreibt.
- Kontakte ohne Kategorie durchgehen und einordnen. Diese Liste ist der beste Gradmesser für die Pflege.
- Harte Rückläufer aussortieren. Adressen, die nicht mehr existieren, schaden bei jedem weiteren Versand.
- Kontakte ohne Mailadresse ansehen — kann man sie ergänzen, oder gehören sie nur ins Telefonverzeichnis?
- Überfällige Wiedervorlagen durchgehen: erledigen, verschieben oder streichen. Nicht ignorieren.
Legen Sie den Termin fest, nicht nach Gefühl. Datenpflege, für die es keinen Termin gibt, findet nicht statt.
Was gehört in den Jahresdurchgang?
Das, was man nur einmal im Jahr braucht, und was rechtlich fällig ist:
- Löschfristen anwenden. Bewerbungsunterlagen, abgelaufene Einwilligungen, Kontakte ohne jeden Zweck.
- Zugänge prüfen. Wer arbeitet noch hier? Welcher Zugang wird nicht mehr gebraucht?
- Kategorien überdenken. Passen sie noch zum Geschäft? Gibt es eine, die niemand mehr benutzt?
- Vorlagen durchsehen. Stimmen Angaben, Preise, Ansprechpartner?
- Herkunftsangaben stichprobenhaft prüfen. Wenn Sie bei zehn zufälligen Kontakten nicht sagen können, woher sie stammen, haben Sie ein Problem, das jetzt noch klein ist.
- Verarbeitungsverzeichnis aktualisieren.
Zwei Stunden im Januar, und Sie sind für den Rest des Jahres auskunftsfähig.
Wie gehe ich mit Dubletten um?
Zusammenführen statt löschen — sonst verlieren Sie die Historie eines der beiden Einträge.
Wie Dubletten entstehen:
- Import ohne Abgleich oder mit anderer Schreibweise.
- Zweite Mailadresse derselben Person.
- Zwei Kollegen legen denselben Kontakt an.
- Namensänderung — Heirat, Firmenwechsel.
Beim Zusammenführen entscheiden Sie, welche Angabe gilt. Faustregel: die zuletzt bestätigte, nicht die zuletzt eingetragene.
Sehen Sie nach, bevor Sie zusammenführen: Sind es wirklich dieselbe Person? Zwei Menschen mit demselben Namen in derselben Firma gibt es — und ein falsches Zusammenführen ist schwer rückgängig zu machen.
Und die Vorbeugung: beim Import den Trockenlauf nutzen. Er zeigt Dubletten, bevor sie entstehen.
Wie schneide ich Kategorien richtig?
Nach der einen Frage: Würde ich an diese Gruppe eine andere Mail schreiben?
Wenn ja, ist es eine Kategorie. Wenn nein, ist es ein Schlagwort oder gar nichts.
Was gute Kategorien auszeichnet:
- Wenige. Drei bis sieben. Mehr pflegt niemand.
- Eindeutig. Jeder im Team versteht dasselbe darunter. Schreiben Sie eine Zeile Erklärung je Kategorie auf.
- Vollständig. Jeder Kontakt hat genau eine — sonst fällt er bei jeder Auswahl heraus.
Was schlechte Kategorien auszeichnet:
- Zustände, die sich ändern („angeschrieben“, „wartet“) — dafür gibt es Kampagnen und Wiedervorlagen.
- Kombinationen („Interessent Handwerk Sachsen“) — das sind drei Merkmale.
Wenn 80 % Ihrer Kontakte in „Sonstige“ landen, stimmt der Schnitt nicht.
Was mache ich mit Kontakten, bei denen seit Jahren nichts passiert ist?
Erst prüfen, dann entscheiden, und die Entscheidung ist selten „löschen“.
Der Reihe nach:
- Gibt es einen Grund, sie zu behalten? Ein ehemaliger Kunde ist keine Karteileiche, sondern ein warmer Kontakt.
- Sind die Daten noch aktuell? Ein Anruf oder eine kurze Mail klärt das, und ist gleichzeitig ein Anlass, sich zu melden.
- Kommt eine Mail zurück? Dann ist die Adresse tot und gehört aussortiert.
- Kein Zweck mehr? Dann greift die Löschpflicht, nicht nur die Ordnungsliebe.
Was Sie nicht tun sollten: einmal im Jahr eine Kampagne „Sind Sie noch da?“ an alte Kontakte. Das ist Werbung und braucht dieselbe Grundlage wie jede andere.
Die nützlichste Sortierung dafür: nach letztem Kontakt, älteste zuerst.
Warum soll ich die Herkunft jedes Kontakts festhalten?
Aus drei Gründen, und der erste ist der zwingende:
- Auskunftspflicht. Die Herkunft ist ausdrücklich Bestandteil der Auskunft nach Art. 15 DSGVO. Wer sie nicht kennt, kann die Auskunft nicht erteilen.
- Rechtsgrundlage. Ob Sie jemanden anschreiben dürfen, hängt daran, wie Sie an die Adresse gekommen sind. Ohne Herkunft ist das nicht zu belegen.
- Es sagt Ihnen, was funktioniert. Nach einem Jahr sehen Sie, welche Quelle die Kontakte bringt, aus denen Aufträge werden — und welche nur Arbeit macht.
Der Aufwand: drei Wörter beim Anlegen. „Messe Leipzig 2026“, „Empfehlung Krause“, „Website-Formular“, „Recherche“.
Das ist die Angabe, die man nachträglich nicht rekonstruieren kann, und deshalb die einzige, bei der Nachlässigkeit unumkehrbar ist.
Was macht eine gute Notiz aus?
Dass ein Kollege sie in sechs Monaten ohne Rückfrage versteht. Vier Bestandteile:
- Anlass — Anruf, Termin, Antwort auf Kampagne.
- Inhalt in Stichworten, keine Nacherzählung.
- Vereinbarung — wer macht was bis wann.
- Nächster Schritt, am besten gleich als Wiedervorlage.
Was nicht hineingehört:
- Wertungen über Personen. Sie können bei einer Auskunftsanfrage angefordert werden, und stehen dann in einem Schreiben Ihres Betriebs.
- Besondere Daten — Gesundheit, Herkunft, Religion. Auch beiläufig nicht.
- Abkürzungen, die nur Sie kennen.
Der Prüfstein: Schreiben Sie so, als läse die betroffene Person mit. Kann sein, dass sie es tut.
Wie halte ich Adressen und Ansprechpartner aktuell?
Über die Rückläufe — sie sind die zuverlässigste Quelle, und sie kommen von selbst:
- Harter Rückläufer: Adresse existiert nicht mehr. Aussortieren, und wenn der Kontakt wichtig ist, telefonisch nachfassen.
- Abwesenheitsnotiz mit „hat das Unternehmen verlassen“: Gold wert. Sie nennt oft gleich die Nachfolge.
- Antwort von einer anderen Adresse: Die neue eintragen, die alte prüfen.
Dazu zwei aktive Handgriffe:
- Beim Telefonat kurz bestätigen lassen: „Sind Sie noch unter dieser Adresse erreichbar?“
- Firmierungen prüfen, wenn ein Betrieb umfirmiert oder übernommen wurde.
Was Sie weglassen können: eine systematische Prüfung des ganzen Bestands. Das wird nie fertig. Die Rückläufe erledigen den größten Teil von allein — man muss sie nur bearbeiten.
Wer sollte für die Datenpflege zuständig sein?
Getrennt nach Art:
- Notizen und Wiedervorlagen: jeder für seine eigenen Vorgänge. Das lässt sich nicht delegieren.
- Stammdatenqualität — Dubletten, Kategorien, Schreibweisen: eine benannte Person.
Der zweite Punkt ist der, der meistens fehlt. Datenpflege, für die niemand zuständig ist, findet nicht statt — und zwar unabhängig davon, wie überzeugt alle davon sind, dass sie wichtig wäre.
Das muss keine große Rolle sein: eine Stunde im Quartal reicht bei den meisten Beständen. Aber es muss jemand sein, und es sollte im Kalender stehen.
In kleinen Betrieben ist das die Person, die ohnehin am meisten im System arbeitet. In größeren gehört es in eine Stellenbeschreibung.
Woran erkenne ich, dass der Bestand kippt?
An fünf Zeichen — eines reicht, um gegenzusteuern:
- Jemand sagt „ich schaue lieber in meiner eigenen Liste nach“. Das erste und deutlichste Zeichen.
- Kampagnen finden weniger Empfänger als erwartet. Meist, weil Kategorien fehlen.
- Die Zahl der Kontakte ohne Kategorie wächst.
- Rückläuferquote steigt über mehrere Kampagnen hinweg.
- Notizen werden seltener. Das merkt man erst, wenn man eine Akte öffnet und seit acht Monaten nichts drinsteht.
Was dann hilft: nicht alles auf einmal aufräumen. Das ist der Reflex, und er führt zu einem Großprojekt, das nie fertig wird.
Stattdessen: eine Sache benennen, einen Termin setzen, sie erledigen. Beim nächsten Quartal die nächste.
Unser Bestand ist ein Chaos. Wo fange ich an?
Nicht mit dem ganzen Bestand — mit dem Teil, den Sie als Nächstes brauchen.
Der Ablauf, der funktioniert:
- Die Zielgruppe der nächsten Kampagne herausfiltern — meist ein paar hundert Kontakte.
- Nur diese aufräumen: Kategorie, Adresse, Dubletten.
- Kampagne fahren.
- Beim nächsten Mal die nächste Gruppe.
Nach einem halben Jahr ist der Teil des Bestands sauber, den Sie tatsächlich benutzen, und der Rest hat Ihnen nie gefehlt.
Was nicht funktioniert: ein Aufräumprojekt über den ganzen Bestand. Es wird nie fertig, und nach drei Wochen macht es niemand mehr.
Und die Entscheidung, die dabei am meisten spart: Was Sie in zwei Jahren nicht angefasst haben, räumen Sie nicht auf — Sie sortieren es aus.
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